Du hast eine Website aufgerufen, auf der oben „Hranice! Grenzen!“ steht. Glaubst du daran? Dass man Grenzen so einfach einreißen kann, einfach wegwischen, durchstreichen. „Na logo!“, magst du dir nun denken. „Die Grenzen existieren doch nur in unserem Kopf!“ Klar, das würde ich auch sagen. Eigentlich.

 

Manchmal aber habe ich das Gefühl, je länger man sich mit dem anderen Land beschäftigt, je mehr man es studiert, je mehr man sich in ja eigentlich grenzüberschreitenden Projekten engagiert, umso mehr kommen die Grenzen wieder. Das sieht dann aus wie eine Parabel: Kennt man das andere Land überhaupt nicht, dann ist da diese Sprachbarriere, das Unwissen, man denkt, die anderen sind komplett anders, es bestehen riesige Grenzen! Dann lernt man mehr über das andere Land und merkt, wie ähnlich man sich doch eigentlich ist. Doch nach einiger Zeit geht es wieder abwärts: In manchen Punkten sind Tschechen und Deutsche einfach unterschiedlich und das kann manchmal schon echt frustrierend sein.

Auf der Čojčlandská Konferenz in Ensdorf ging es neben dem Rückblick auf vergangene Projekte und der Planung zukünftiger, neben der Verteilung von Aufgaben und konkreten Rollen auch um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Hierzu bot der Programmpunkt „Unterschiede in der Zivilgesellschaft beider Länder“, den Susanne Bierlmeier anleitete, Anlass. Zunächst bot eine Soziometrie Möglichkeit zur Selbstreflexion. Die Aussagen wie in etwa „Ich glaube, dass ich mich gut in die andere Seite hineinversetzen kann“ oder „Manchmal fühle ich mich von Menschen aus dem Nachbarland unverstanden“ wurden dabei ganz unterschiedlich mit ja und nein beantwortet. In Kleingruppen wurde anschließend über verschiedene Themengebiete diskutiert. Dabei ging es in etwa um die nachbarschaftlichen Beziehungen im Grenzgebiet, Respekt, Kommunikation oder etwa um die Frage, ob čojč „zu deutsch“ ist (beispielsweise weil Redebeiträge oft zuerst in Deutsch erfolgen etc.).

Der Austausch war für mich eine überaus spannende Erfahrung. Klar, man denkt oft über Unterschiede zwischen Deutschland und Tschechien nach, gerade, wenn man im Nachbarland lebt. Auf einer binationalen Veranstaltung habe ich es aber zum ersten Mal erlebt, dass man sich so angeregt über die Unterschiede austauschen konnte – und diese dabei akzeptierte.

Unterschiede sind super, solange sie eben keine Vorurteile werden – oder Grenzen aufbauen. Die braucht und will ja nun wirklich niemand. Die „Čojčlandská“ hat es dieses Jahr wieder für mich geschafft: Die Grenzen zu überschreiten durch ein gemeinsames Projekt. Und dieses großartige Gefühl in mir zu schaffen. Dieses Gefühl, dass man vergisst, in welchem Land man gerade ist. Denn das ist ja eigentlich auch egal. Hranice! Grenzen!

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